Seelsorge
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"Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken." (Hesekiel 34,16)
Inhaltsverzeichnis |
Vorwort
In diesem Bereich möchten wir das Thema der Seelsorge bearbeiten. Neben dem persönlichen Hirtendienst an einer Person, die in Not ist, möchten wir auch den Auftrag des Hirten als Gabe für die Versammlung beleuchten.
Grundlagen
Für beide Aufgabenbereiche gibt es Grundsätze, die wir beachten sollten.
Wer ist angesprochen?
1.Korinther 12,26 sagt uns "wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit". Die Schreibweise zeigt deutlich, dass es grundsätzlich so ist, es bedarf keiner "Motivation zum Mitleiden". Dem stehen nur oft wir selbst und unsere eigenen Interessen im Wege. Dennoch: Wenn ein(e) Mitbruder/Mitschwester leidet, leide ich als Bruder/Schwester mit, selbst wenn ich es zu verdrängen versuche.
Zweifelsohne gibt es Befähigungen zu diesem Dienst an den Geschwistern, Epheser 4,11 spricht ausdrücklich davon, dass "andere als Hirten und Lehrer" gegeben wurden. Es ist eine Gabe, ein Geschenk des Herrn an die Zeugnisse seiner Versammlung. Doch auch ein freundliches Zunicken und ein gutes Wort zur rechten Zeit sind Bemühungen um das Wohl der Seele des anderen. Keiner ist unnütz oder ungeeignet für diese Aufgabe! Beachten wir, dass wir durch Abhängigkeit gegenüber dem Herrn und auf Basis seines Wortes nütze sind "zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit", ja sogar "zu jedem guten Werke völlig geschickt." (2.Timotheus 3,16f). Was zählt, ist das Einbringen willigen Herzens und der Gehorsam zu seinem Wort.
Persönliche Anforderungen
Als "Seelsorger" treibt mich, wie der Name schon sagt, die (Für)Sorge um das seelische Wohl, also der Wunsch geistlich zu helfen, zu dem Betreffenden. (Für)Sorge steht in engem und absolutem Zusammenhang mit Liebe, so dass wir sagen können, dass mich die Liebe zu dem Bruder/der Schwester und (Für)Sorge für ihn zu der Aufgabe drängt.
Wenn die christliche Liebe mein Beweggrund ist, ist das Ziel das Gewinnen/Zurechtbringen des Bruders bzw. der Schwester. In den meisten Fällen sind die Probleme durch ein Zurückfinden aller Beteiligten unter die Autorität von Gottes Willen und sein Wort behoben und die Wunden können heilen. Viele Nöte lässt der Herr nur zu, damit wir wieder näher zu ihm finden (siehe auch "Von mir aus ist diese Sache geschehen" von VdHS). Viele Wunden werden von dem Herrn zugelassen oder gar bewirkt und er möchte sie nach Zurechtbringung heilen: "Kommt und laßt uns zu Jehova umkehren; denn er hat zerrissen und wird uns heilen, er hat geschlagen und wird uns verbinden." (Hosea 6,1). Welch eine schöne und wertvolle Aufgabe, zu der uns der Herr gebrauchen möchte!
Sachliche Anforderungen
Die christliche Seelsorge muss sich zweifelsohne an der Bibel orientieren. Denn ohne die Hilfe des Herrn und das Wirken seines Wortes ist die christliche Seelsorge zum Scheitern verurteilt. Motivation, Vorgehen und Zielsetzung müssen also biblisch gegründet sein und als Richtschnur für den Helfenden als auch den Ratsuchenden gelten.
Ziel muss es sein, die Not jeglicher Art in das Licht des Wortes Gottes zu stellen: "Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben." (Hebräer 4,12f). Nur anhand des Wortes Gottes kann die Not oder das Vergehen geistlich erkannt, beurteilt und auch geheilt werden.
Wichtig ist zudem, dass der "Fall" anhand der Schrift erklärt wird. Es ist im Gegensatz zum Anwenden einiger weniger Verse eine deutlich größere Hilfe, wenn dem/den Betreffenden das "Bild gesunder Worte" hierzu anhand der Schrift aufgezeigt wird.
Arten von Seelsorge
Ursache
...auf Bitten des/der persönlich Betroffenen
Die Erkenntnis, "dass man ein Problem hat", ist meist der erste Schritt zum Zurechtfinden des/der Betroffenen. Wenn der Betroffene oder die Betroffenen (gemeinsam!) Hilfe und Rat bei anderen Geschwistern suchen, so stellen sie sich auch meist bewusst dem Wirken und den Worten der folgenden "Behandlung" aus. Seien es Ehepaare, die Rat für den Weg als Ehepaar/Eltern wünschen, Jugendliche in moralischen oder anderen Fragen, das Spektrum ist vielfältig. Ist es nicht auch sehr wertvoll, dass der Herr uns Brüder zur Seite gestellt hat, die uns in diesen Fällen Hilfe und Rat sind?
Leider gibt es auch Fälle, wo man gebeten wird, den Ehepartner / das Kind / die Schwiegereltern "mal einzunorden". Das ist ein denkbar schlechter Ausgangspunkt für eine geistliche Klärung. Denn nur das Bewusstsein des gemeinsamen Versagens und der Bereitwilligkeit jedes Betroffenen, sich der Bibel unterzuordnen und aufeinander zuzugehen ist ein guter Nährboden für Gespräche dieser Art. Ansonsten kann die Situation sehr schnell fleischlich eskalieren, wo es nur noch darum geht, möglichst viele "Treffer zu landen". An dem Punkt hat dann Satan (zunächst) gesiegt und die Wiederaufnahme der Gespräche ist nur unter aufrichtigem Bekennen des Versagens möglich. Die in der Wirtschaft häufig angewandte Metakommunikation, das bewusste (vorübergehende) Abwenden von Details hin zu der Frage "wie reden wir eigentlich miteinander" bzw. "wie konnte es zu dieser Eskalation kommen" können wir sehr gut auf die geistliche Gesprächsführung übertragen, denn wir sind doch mit dem gleichen Blut erkauft!
...aus "eigener" Initiative
In dem Maße, in dem wir uns dem Herrn zur Verfügung stelle und mein Herz für meine Brüder/Schwestern schlägt, wird der Herr uns auch auf Nöte "innerhalb der Herde" aufmerksam machen.
Schon beim ersten Zugehen auf den/die direkt Betroffenen muss deutlich werden, dass ich die Not als gemeinsame Not sehe und gerne Rat und Hilfe sein möchte. Leider findet ein "flapsiges Anspielen" auf die Dinge immer mehr Verbreitung, gepaart mit "er/sie weiß schon, was gemeint ist"... Doch hat unser(e) Mitbruder/Mitschwester verdient, mit diesem Kommentar "allein stehen gelassen zu werden"? Wieviel mehr Eindruck wird ein biblisch geprägtes Gespräch (am besten unter vier Augen) mit Gebet hinterlassen? Denken wir an unsere Stellung in dem Herrn - sollten wir dann nicht "würdevoller" miteinander und mit Konflikten dieser Art umgehen? Denken wir daran, dass ein "Mit-Glied am Leibe" möglicherweise Hilfe braucht und seine Seele leidet!
Im Gegensatz zu dem vorhergehenden Punkt (Einladung durch den/die Betroffene/n) können wir auch nicht davon ausgehen, dass sich der Betreffende meiner Not bewusst ist bzw. ihm der Grund meiner Sorge an sich noch gar nicht deutlich geworden ist. Auch aus diesem Grund muss insbesondere diese Variante des "Hirtendienstes" auf den Knien begonnen werden! Denn der Herr hat auch zu dieser Not den passenden Schlüssel zum Herzen!
Leider besteht auch hier eine große Gefahr, sich etwas auf sich einzubilden. Wie schnell sitzt in unseren Gedanken, dass uns diese Punkte ja nur auffallen, weil wir entsprechend belehrt sind. Das kann auch u.U. sein, doch wünscht der Herr, dass wir diesen Dienst für ihn in Niedrigkeit tun. Denken wir an die warnenden Verse aus Matthäus 6,2.5.16, in denen der Herr Selbstprofilierung immer mit "... sie haben ihren Lohn dahin" bewertet. Wie schön ist das Beispiel des Herrn selbst: "Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen." (Johannes 13,14). Ein Freund merkte zu dieser Stelle einmal an: "Lasst uns gegenseitig die Füße waschen, nicht den Kopf!".
Inhaltlich
Es gibt viele Facetten der Seelsorge/des Hirtendienstes, wir möchten zunächst die in 2.Timotheus 3,16f genannten Arten untersuchen.
...zur Lehre/Belehrung
Sicher durfte jeder von uns schon öfters an sich erfahren, dass viele Worte aus Gottes Wort gehört aber nicht "zu Eigen" gemacht werden oder auch falsch verstanden wurden. Gottes Zusagen (ermunternde wie auch ermahnende Verheißungen) sind uns oft bekannt, prägen aber nicht unser Leben (siehe z.B. Hebräer 6,19). Wie dankbar dürfen wir sein, wenn der Herr sie uns durch seine Diener wieder ins Bewusstsein ruft. Wie oft kauern wir wie Asaph (in Psalm 73) am Boden, nur weil wir den Herrn und seine Liebe zu uns aus den Augen verloren haben. In dem Maße, in dem uns diese Dankbarkeit als Licht erfüllt, können wir als Werkzeuge genutzt werden, in das Dunkel des/der Betroffenen zu leuchten. Denn oft benötigt der Betroffene Hilfe, damit wieder "Licht von oben einfallen kann" und auch sein Herz wieder licht wird. Eine ernste Warnung ist Matthäus 6,23: "wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!". In dem Fall braucht es viel Gnade, dass der Blick wieder auf den Herrn gerichtet wird, es ist eine "mühsame Arbeit" (Psalm 73,16).
...zur Zurechtweisung
Diese Form ist der aus menschlicher Sicht einfachste Weg, wird er aber geistlich begangen, sollen Liebe und Zurechtweisung miteinander verbunden werden, so erfordert er ein großes Maß an Selbstlosigkeit und Abhängigkeit von Gottes Wort.
Denken wir daran:
- In dem Helfenden und in dem Ratsuchenden steht jeweils die neue Natur der alten Natur gegenüber, diese verfolgen entgegengesetzte Ziele!
- Die Betroffenen befinden sich bildlich an einem Punkt zwischen Gott und Satan. Es kommt nun darauf an, welcher unserer Naturen wir Raum geben:
- fleischliche Zurechtweisung führt zu Satan hin (von Gott weg)
- geistliche Zurechtweisung führt zu Gott hin (von Satan weg)
Die Bewahrung vor dieser Gefahr sollte ein konkreter Gebetsgegenstand vor Beginn aller Bemühungen sein! Satan kennt unsere Vorlieben und Schwächen und wird alles versuchen, dass keine geistliche Wiederherstellung erfolgt! Lasst uns daran denken, dass es ein Dienst ist und dass die Aufgabe nicht "zurechtstauchen", sondern "zurechtbringen" lautet.
...zur Unterweisung in der Gerechtigkeit
Dient die Lehre/Belehrung dem Aufzeigen von Wahrheiten aus Gottes Wort oder dem Korrigieren eines falschen Verständnisses, konfrontiert uns die "Unterweisung in der Gerechtigkeit" mit den Ansprüchen göttlicher Gerechtigkeit und Moral. Oftmals liegt ein Weg des schleichenden Entfernens von der engen Gemeinschaft mit Gott hinter einem, das Salz ist "kraftlos geworden" (Matthäus 5,13) und lässt die "Bakterien Satans" ein bzw. schon in sich wirken. In dem Zustand ist der Christ für seinen Herrn nutzlos, zu recht fragt Lukas 14,34: "wenn aber auch das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gewürzt werden?". Dieser in der Natur m.W. unmögliche Fall ist im christlichen Zusammenleben aber durch Zurückführen in die Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Wort möglich. Wenn wir gemeinsam erkennen, wie weit unser Verständnis für Gerechtigkeit von dem eines heiligen Gottes abweicht, werden wir wohl gleiche Empfindungen wie in Jesaja 6,5 haben (siehe auch Habakuk 1,13/1.Timotheus 6,15f). Erfahrungsgemäß ist das "Zurechtbringen" eine Hilfe für alle Beteiligten, führt es doch auch dem Helfenden erneut Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit vor Augen.
Praktische Beispiele
- Todesfall
- Krankheit
- Persönliches Versagen
- Probleme in Ehe/Familie
Weiterführende Literatur
VdHS: "Von mir aus ist diese Sache geschehen"
VdHS: "Leg Deine Nerven in Gottes Hand"

